Wie im echten Theater, ohne Schminke oder Masken, es schreibt sich

Ein Bild

von Alexandra Corodan

Mai 2024 und alles davor und danach

FIGUREN


SIE So etwas wie Robert Musils Maus, eine Miniatur, gar keine Geschichte, eigentlich nur eine Pointe, ein bisschen fleischiger als der Text (aber nur ein bisschen), bunt gestreifte Strümpfe tragend, schreibt ihre Einkaufsliste in der Notes app


ICH Ein Pferd, mag keine Tomaten (mittlerweile aber schon). Ich habe ICH ideenarm “ICH” benannt, ICH ist aber tatsächlich ein Pferd!!!

ERSTE SZENE, EINZIGE SZENE

SIE und ICH treffen sich in einem Hotelzimmer. Die Türnummer unbekannt, zwischen den Zeilen. Die Langusten hören zu. Unter der Sofa auf dem SIE und ICH sitzen, verweilt ein zerbrechliches, fragiles Papier. Seine zerknautschten Ecken blicken heraus, schauen ICH und SIE an (manchmal auch mich). Da drauf steht:

Dieses Schreiben erzählt (lol) über zwei erdichteten Körpern: einer seziert sich wiederkehrend, Darm in der linken Hand, Augen in der rechten, der Andere ist nicht vorhanden.


ICH schreibe wenn ich schreibe wie ich schreibe, in einer Klammer der Verwesung und Verwirklichung von Text: eine Verlängerung des Gehirns-den habe ich bald in der Hand-(ICH sagt das aber nicht, denn es wäre etwas unhöflich SIE gegenüber, ihre Gedärme sind noch warm) in Helvetica mit 1.0 Zeilenabstand. Die Buchstaben verkrampft, ineinander verstopft und kriegen fast keine Luft. Ich schreibe Luft, Autocorrect schreibt Lust; denn ich habe ein riesiges Bedürfnis (wieder dieses Verlangen) wider diesem Verlangen.

SIE isst Karotten bis ich mich verfärbe und mit dem Gefühl der Überlegenheit ersticke. Ich bin die letzte eingelegte Zwiebel im Glas. Und wenn ich in der Blaubeere beiße, beißt sie mich zurück. Und die Haferflocken werden zu einer Armee verhärteter Masse, ein Hammer, und ich müsste mich entscheiden, wie ich es benutze. Aber ich bin kein Hephaistos, ich schmiede nur zwischen den Zeilen, wie diese Langusten von dem du immer so oft erzählst.

(ICH und SIE wissen nicht, dass die Langusten da sind)

ICH weiß, manchmal muss man sich einen neuen Stuhl zulegen, um weiter schreiben zu können. Das zu schreiben, was geschrieben werden muss, aber längst nicht mehr von der Zunge rollt. Manchmal muss man seine Zunge abschneiden und zu dem neuen Stuhl legen, so dass die Kunststofffasern F.F.F. zwischen den Absätzen in dieser Zügelung verästen. Und die Langusten aufhören zu kriechen.

(ICH und SIE wissen immer noch nicht, dass die Langusten da sind)

SIE könnte keine Spinatschnecken mehr finden und vielleicht deswegen fresse ich die Buchstaben mehr. Die Spinatschnecke ist plötzlich, nach dem ersten Mal als du es schriftlich erwähnt hast, als du SIE zu einem Agenten dieser Sublimierung markiert hast, verschwunden. Gefressen. Weißt du, sie fragen sich manchmal, ob SIE nur Textobjekt war.

ICH schaue da wo Sprache kracht, denn ich mit ihr zusammenkrache.

SIE spuckt manchmal in der Spelunke meiner Hand, Blutkeime nestend in schwacher Schaum; und fange an zu spüren da wo ich davor nicht gespürt habe, aber jetzt schreibe.

ICH stillstehend in Bewegung bleiben alle meine Texte Briefe an ihr

—Ich meine dir.

SIE rührt im Essen bis hin zu Schleudertrauma


DA HAPERT ES GEWALTIG